Die "Scheiß-egal" Einstellung vieler Hundehalter

oder

Das ewige Thema der Begegnugen an der Leine

 

 

Wie viele Beiträge hab ich zu diesem Thema schon im Netz gelesen, kommentiert, geteilt – unzählige.

So viele, dass man meinen sollte, jeder Hundehalter hat so einen Artikel mittlerweile gelesen und bei Bedarf

vielleicht sogar sich selbst und sein Verhalten reflektiert und ggf. angepasst.

Leider ist das wohl nicht der Fall.

 

Und da mein Hund und ich in den letzten Tagen ganz massiv mit solchen Hundehaltern konfrontiert waren,

kommt hier eben noch ein weiterer Beitrag dazu. Er ist etwas lang geworden, ich hoffe trotzdem auf einige Leser. :)

 

Folgende Regeln, die meiner Meinung nach der gesunde Menschenverstand schon voraus setzen

und die vor allem etwas mit Respekt Vor- und Miteinander zu tun haben, gelten für mich beim Spazieren gehen:

 

1.) Läuft mein Hund ohne Leine und mir kommt jemand entgegen

 

- mit einem angeleinten Hund

- ganz ohne Hund

- mit Fahrrad oder sonst wie fortbewegend

- mit Kind und Kegel

- mit Pferd, Ziege, Schaaf,

 

dann rufe ich meinen Hund zu mir, am besten bevor derjenige Andere mich erreicht hat,

und reagiere, je nach Hund und Erziehungsstand, entweder in dem ich

 

- meinen Hund neben mir Absitzen lasse, warte bis anderer Hund/Mensch oder was

auch immer an mir vorbei ist und dann das Kommando zum weiter laufen gebe;

- meinen Hund anleine, neben mir Absitzen lasse, warte bis anderer Hund/Mensch

oder was auch immer an mir vorbei ist, meinen Hund wieder ableine und dann das

Kommando zum weiter laufen gebe;

- meinen Hund anleine, relativ zügig am anderen Hund/Mensch oder was auch

immer vorbei gehe und, nach etwas Abstand, meinen Hund wieder ableine;

- meinen Hund, wenn der Trainingszustand es erlaubt (!!!), unangeleint direkt neben

mir laufen lasse, relativ zügig am anderen Hund/Mensch oder was auch immer vorbei

gehe und, nach etwas Abstand, das Kommando zum weiter laufen gebe.

 

2.) Läuft mein Hund ohne Leine und mir kommt jemand mit einem ebenfalls unangeleinten Hund entgegen,

dürfen die Hunde sich gerne begrüßen und bei gegenseitigem Interesse auch miteinander spielen.

 

3.) Läuft mein Hund angeleint, und zwar egal ob an normaler oder an Flexi Leine, und mir kommt jemand entgegen

 

- mit einem Hund, egal ob angeleint oder nicht

- ohne Hund

- mit Fahrrad oder sonst wie fortbewegend

- mit Kind und Kegel

- mit Pferd, Ziege, Schaaf,

 

dann reagiere ich, je nach Hund und Erziehungsstand, entweder indem ich

 

- meine Leine kurz nehme, so dass mein Hund neben mir läuft (ja, auch Flexi Leinen kann man kurz nehmen)

und gehe mit einem gewissen Abstand zügig an dem uns Entgegenkommenden vorüber;

- meinen Hund neben mir Absitzen lasse, ggf. Ablenke, warte bis der/die/das Andere

an uns vorüber ist und dann weiter gehe.

 

Und genau das Gleiche erwarte ich in dieser Situation von dem Entgegenkommenden,

egal ob mit angeleintem oder unangeleintem Hund oder ganz ohne Hund dafür vielleicht mit Kind oder was auch immer.

 

Ich möchte NICHT, dass mein Hund

- von einem frei laufenden Hund „überfallen“ wird, egal ob dieser „nix tut“ oder vielleicht doch

- von einem angeleinten Hund „überfallen“ wird, egal ob dieser „nix tut“ oder

vielleicht doch, und ja, auch eine ausgezogene Flexi Leine ist immer noch eine Leine!!

- von fremden Menschen, egal ob Erwachsen oder Kind, „überfallen“ wird, indem er ungefragt bedrängt wird.

 

[Bedrängen entsteht für mich dann, wenn die Individualzone des Hundes ungefragt überschritten wird.

Mit Fragen, meine ich sowohl mich als Halter, als auch den Hund selbst, ich möchte ja auch nicht von jedem Fremden angefasst werden. Gebe ich meine Zustimmung, dann geh bitte in die Hocke, halte deine Hand nach

vorne und warte bis mein Hund zu dir kommt. Tut er dies, kannst du ihn streicheln, schmusen,

dir von ihm ins Gesicht niesen lassen (er ist ein Mops, das gehört quasi zur Rassebeschreibung ;) ),

kommt er nicht, dann möchte er auch nicht. Und liebe Menschen, niemals, wirklich NIEMALS,

möchte irgendein Hund, egal ob klein oder groß, auf den Kopf getatscht kriegen!!

Das ist super unhöflich und tut unter Umständen auch weh. Also lasst das gefälligst bleiben!]

 

4.) Man beschäftigt sich beim Gassi gehen bitte auch etwas mit seiner Umwelt und schaut nicht ausschließlich auf

sein Handy oder schnattert so viel miteinander, dass man gar nichts mehr mitbekommt!

Das erleichtert das Zusammentreffen mit anderen Wesen ungemein.

 

 

Ein angeleinter Hund ist IMMER aus einem bestimmten Grund angeleint:

- Training

- Unverträglichkeit

- Jagdtrieb

- Angst/Unsicherheit

- Krankheit

 

Bei uns war es vergangene Woche bzw. ist es immer noch, der letzte Punkt.

Linus ist erkältet; Anfang der Woche war es richtig heftig mit Rotznase und schlimmen Husten. Trotz Medikamenten

gibt es natürlich ein Ansteckungsrisiko, deswegen läuft er im Moment nur an der Leine sobald wir andere Hunde sehen und

er darf auch nicht mit seinen Freunden spielen. Zum Schutz für ihn (größere Anstrengung verschlimmert den Husten)

und eben auch zum Schutz der anderen Hunde, wir wollen ja keine Erkältungsepidemie auslösen.

Letzteres ist allerdings gar nicht so einfach.

 

Seltsamerweise auch dann nicht wenn ich den Menschen aus der Entfernung schon laut zu rufe, das mein Hund krank und deswegen angeleint ist. Es waren in dieser kurzen Zeit um einiges mehr als die folgenden Beispiele.

Wenn die Epidemie nun kommt, hab ich jedenfalls mein Möglichstes versucht…

 

Toll fand ich zum Beispiel eine Situation am Dienstag beim Tierarzt. Wo man ja davon ausgehen kann,  dass ein Hund vielleicht krank ist, wenn man dorthin geht. Wir kommen die Tür zum Wartezimmer rein und Linus hat direkt ein kniehohes

flauschiges Wollknäuel im Gesicht hängen und fröhlich an ausgezogener Flexi Leine um uns rum hüpfen, so schnell krieg ich ein „Achtung Hund ist krank!“ gar nicht aus mir raus. Der Mops kriegt prompt einen Hustenanfall und vor lauter verworrener Flexi Leine bleibt mir als schnelle Lösung nur, meinen Hund auf den Arm zu nehmen (bei 7kg Mops wenigstens ein Leichtes, versucht das mal bei 35kg Schäferhund oder so ähnlich).

Mein freundlicher Hinweis, seinen Hund besser zu sich zu nehmen, da ich denke dass meiner Ansteckend ist, wird mit einem belehrenden „Kleine Hunde auf den Arm nehmen macht man aber nicht. Die wollte ja auch nur Hallo sagen.“ erwidert.

Ähh, was??

Weiter freundlich lächelnd, aber etwas irritiert, sagte ich noch mal kurz und knapp „Mops. Krank. Ansteckend. Bitte wegbleiben.“

und setze mich, mit weiterhin hustendem Mops auf dem Schoß, auf einen Stuhl am anderen Ende des Wartezimmers.

Hat ihn leider nicht davon abgehalten, sein Wollknäuel uns beim vorbei laufen nochmals ansabbern zu lassen,

als die Zwei aufgerufen wurden…

 

Mitte der Woche haben wir bei einer Runde durch den Wald unseren „speziellen Freund“ getroffen,

leider auf einem engen Weg direkt nach einer Kurve, also ohne jegliche Vorwarnung und dadurch Chance auf ausweichen. Auch hier war Mops auf den Arm und sich schnell vom Acker machen, die einzige Lösung um sowohl eine

Keiferei als auch eine potentielle Ansteckung zu verhindern.

 

[Der „spezielle Freund“ ist ein Mops-irgendwas- Mischling anscheinend ohne jegliche Erziehung und Sozialverhalten

dafür mit ziemlich unverantwortlichen und leider auch komplett uneinsichtigen Besitzern (bzw. sind das wohl nur

die Eltern der Besitzerin, die sich unter der Woche um den Hund kümmern). Diese bräuchten auf jeden Fall ganz ganz dringend eine kompetente Hundeführererziehung!!

Besagter Mops-irgendwas-Mischling läuft leider auch meistens an ausgezogener Flexi Leine und fängt schon aus

10m Entfernung laut an zu bellen, sich voll in die Leine zu hängen und eben ein riesen Theater zu veranstalten.

Das Schlimme daran ist, dass v.a. das weibliche Individuum am anderen Ende der Leine, das Verhalten ihres

(Betreuungs-?) Hundes anscheinend so völlig falsch interpretiert, dass sie ihn auch noch bestätigt indem sie Dinge zu ihm sagt, wie „Guck mal, Wauzi, ein Hund in deiner Größe zum spielen, ja da freust du dich, gell, los da gehen wir hin“.

Genau das macht sie dann auch und wenn man ganz arg Pech hat, lässt sie ihn in dem Moment sogar von der Leine und keifend auf dich zu rennen. Dann hat auch unsere meist bewährte Strategie, sofortiger Richtungs- bzw.

Wegwechsel, keine Chance mehr und abwehren ist das Einzige, was uns noch bleibt. Im Zweifelsfall auch sehr

deutlich mim Fuß, denn die kleine Krabbe meint es definitiv nicht nett und saß auch schon 2x bei Linus im Genick.

Wir sind auch leider nicht die Einzigen in unsrer Gassigegend denen es so geht. Ich warte schon immer drauf, dass dieser Wauzi mal an den Falschen gerät und es schlimm ausgeht. Und dann würde eben wieder ein Hund für die Inkompetenz und Uneinsichtigkeit seines Halters bezahlen…]

 

Und dann noch mal heute Morgen. Mittlerweile hab ich sogar zwei Möppels dabei, da trotz Linus’ Erkältung

sein Bruder Rocky übers lange Wochenende bei uns eingezogen ist, da meine Eltern in Kurzurlaub sind.

Ich also auf der Morgenrunde im Wald unterwegs, Rocky an der Schleppleine, Linus läuft frei.

Auf einer langen Geraden sehe ich weiter vorne 2 Menschen mit 3 frei laufenden Hunden uns entgegen kommen.

Also rufe ich meine Hunde zu mir, nehm die Schleppleine kurz, leine Linus an und lass beide am Wegrand absitzen.

Die mir entgegenkommenden Menschen sind ins Gespräch vertieft und bekommen meine Reaktion anscheinend nicht mit, denn niemand macht Anstalten die Hunde her zu rufen. Also rufe ich den Menschen laut entgegen, sie mögen doch bitte ihre

Hunde zu sich nehmen, da meine Krank sind. Außer Blicke in meine Richtung, keine Reaktion.

Also rufe ich noch mal lauter (und ich hab eh schon ein ziemlich lautes Organ). Die Hunde laufen immer noch frei und die zwei Vorderen sind höchstens noch 3m von uns entfernt. Ich ziehe mich mit meinen Hunden noch etwas in den Wald zurück, um vom Weg entfernt zu sein, doch der erste der drei fremden Hunden ist schon bei uns gelandet und freut sich so sehr über die Möppels, dass er ihnen euphorisch die Gesichter abschlabbert während ich versuche mit meinen Körper Abstand zwischen die Hunde zu bringen. Nützt natürlich nich viel, vor allem weil Nummer 2 sich auch noch dazu gesellt.

Ich steh mittlerweile im Leinenwirrwarr, da meine bei so viel Action auch nicht mehr brav sitzen bleiben, und falle halb über meinen (natürlich hustenden) Hund, als einer der zwei Fremdhunde aufgrund des Spektakels anfängt laut zu bellen.

Das erregt endlich mal richtig die Aufmerksamkeit der Menschen, aber anstatt die Hunde zurück zu rufen, bekomme ich die Aufforderung meine Loszulassen, denn die verstehen sich doch augenscheinlich alle so gut.

Mittlerweile bin ich zu Tode genervt und schreie den Beiden ziemlich lautstark entgegen,

dass meine Hunde erkältet und ansteckend sind.

Was endlich die gewünschte Reaktion zeigt, nämlich dass Herrufen bzw. Einsammeln der eigenen Hunde.

 

„Das hätten Sie auch gleich sagen können! Wehe die haben sich jetzt angesteckt!“

Na vielen Dank, ihr respektlose, ignorante Mitmenschen.

 

Mit solchen Verhaltensweisen muss man sich wirklich nicht wundern, warum es so viele Menschen gibt

die sich über uns Hundehalter aufregen. Ist es denn tatsächlich so schwierig, anderen Lebewesen den

Respekt entgegen zu bringen den man selbst erwartet?

 

Wenn jeder mal etwas weiter als bis zu seiner eigenen Nasenspitze denkt und ein bisschen Rücksicht auf andere nimmt, könnte das Leben für uns alle, egal ob mit oder ohne Hund, einfach wesentlich entspannter sein…

 

Dieser Beitrag darf sehr gerne geteilt werden :)

 

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